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Nahezu jeder Geschädigte eines Unfalls kennt das Phänomen:

Die gegnerische Versicherung weist das Kfz-Sachverständigengutachten, das man in Auftrag gegeben und der Versicherung zugeschickt hat, unter Vorlage eines sog. Prüfberichtes zurück und will den Schaden lediglich auf Grundlage der in diesem Prüfbericht enthaltenen Beträge regulieren:

Was nun? Was ist eigentlich dieser Prüfbericht?

Zunächst einmal ist wissenswert, dass der Gutachtenprüfbericht in aller Regel nicht auf der Grundlage gesicherter Kenntnisse erstellt wird. Die Versicherungen beauftragen hiermit vielmehr regelmäßig Unternehmen, die den Vorgang lediglich schematisiert und automatisiert prüfen, ohne sich mit dem konkreten Einzelfall zu beschäftigen.

Der Geschäftsführer der ControlExpert GmbH, Gerhard Witte (VOX TV 15.04.2012), eine der großen Prüffirmen, äußerte sich hierzu wie folgt:

„Wir sind keine Sachverständigenorganisation, sondern wir prüfen schematisiert und automatisiert Vorgänge und wenn wir auf Diskrepanzen stoßen zwischen den hier eingehenden Belegen und anerkannten Regeln der Technik und Herstellervorgaben, dann erscheint das bei uns auf einem Prüfbericht und was letztendlich der Versicherer mit diesem Prüfbericht macht, ist Sache des Versicherers oder der Flotten-Leasinggesellschaft und nicht unsere Baustelle und auch nicht von und zu verantworten.“

Eine Überprüfung durch Sachverständige erfolgt damit also nicht. Die vorgenommenen Kürzungen werden ausschließlich mit den Feststellungen der nur schematisiert prüfenden Firma – wie z.B. der ControlExpert GmbH – begründet. Dies widerspricht allerdings der ständigen Rechtsprechung, wonach Herstellervorgaben keinesfalls verbindlich sind und allein entscheidend immer der tatsächlich erforderliche Reparaturaufwand ist. Daher bleibt der Kfz-Haftpflichtversicherer mit der bloßen Vorlage eines Prüfberichtes in der Beweispflicht. Die von ihm vorgenommene Kürzung ist demnach sachlich nicht begründet, solange er die Kürzung ausschließlich auf diesen Prüfbericht stützt.

Pikanterweise werden diese Prüffirmen von den Versicherungen für ihre Dienste nicht nur bezahlt, häufig sind diese von den Versicherungen sogar selbst gegründet worden. Von einer „unabhängigen“ Organisation kann insoweit also keine Rede sein.

Zur Vorgehensweise der Prüffirmen berichtete der Focus in seiner Ausgabe vom 24.09.2007:

„Die Streichtrupps sehen sich die Unfallwagen meist nicht einmal an, sondern schauen lediglich in ihren größer werdenden Datenbanken nach, wie viel ein Schaden im Schnitt kosten darf.“ „Wenn wir kürzen heißt das nicht, dass die Kalkulation des Gutachters zuvor falsch war“, erklärt daher Helmut Zeisberger, Leiter der Abteilung Schadengutachten der Dekra. Um juristisch unangreifbar zu sein, weist die Dekra in ihren Prüfberichten explizit darauf hin, dass sie „auftragsgemäß“ gekürzt habe – im Auftrag der Versicherung.“

 

Es findet also gerade keine einzelfallbezogene, sondern lediglich eine automatisierte – an Durchschnittswerten orientierte – Prüfung statt.

Die Zeitschrift „Stern“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 27. Januar 2008 über das Schema einer solchen „Überprüfung“ außerdem wie folgt:

„Eingereichte Unfallgutachten werden in einen Rechner eingelesen, dort in alle Einzelposten zerlegt und danach Ziffer für Ziffer mit Konkurrenzpreisen verglichen. Finden die Suchmaschinen zu einem Kalkulationswert aus dem Gutachten das Dumping-Angebot einer billigeren Werkstatt, dann wird meist nur dieser geringere Betrag anerkannt“.

Hinzu kommt, dass die Berichte im Unterschied zum Kfz-Sachverständigengutachten erst gar nicht unterschrieben sind. Ihnen kommt daher – wie schon das Amtsgericht Berlin-Mitte in seinem Urteil vom 25.09.2014 (Az.: 108 C 3118/14) zutreffend feststellte – „keinerlei Beweiswert“ zu. Vielmehr ist der Prüfbericht, so das Amtsgericht Berlin-Mitte weiter, „ein Computerausdruck ohne jeden Aussagewert“.

Haben Sie also keine Angst vor dem Prüfbericht und lassen Sie diesen lieber sofort und kostenlos von uns überprüfen! Wir beraten Sie gern!