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Seit einiger Zeit verlangen die Versicherer – allen voran der „Branchenprimus aus Coburg“ – immer wieder die Vorlage von Fremdrechnungen (z.B. vom in Anspruch genommenen Lackierer), bevor sie eine Regulierung vornehmen. Dies ist nach mittlerweile gefestigter Rechtsprechung im Haftpflichtschadenfall keinesfalls rechtens. Aber auch bei Kaskoschäden gilt in aller Regel nichts anderes. Denn auch im Kaskoschadenfall hat der Geschädigte – wenn keine Werkstattbindung vereinbart ist – die freie Wahl, welche Werkstatt er für die Reparatur beauftragt. Der Versicherer hat dann zumindest die „üblichen“ Preise – wobei es auf den Gesamtbetrag der Reparaturrechnung und nicht auf die einzelnen Positionen ankommt – zu erstatten. Selbstverständlich kann sich die Werkstatt ihrerseits der Leistungen Dritter (z.B. Ersatzteile vom Hersteller, Lackierarbeiten etc.) bedienen, ohne offen legen zu müssen, in welchem Umfang die Dritten hierfür Kosten an die Werkstatt weiterberechnet haben. Es gibt auch keinen Grundsatz dahingehend, dass die erbrachten Fremdleistungen dem Kunden bzw. dem Versicherer nur mit den dafür aufgewendeten Beträgen in Rechnung gestellt werden dürfen. Vielmehr sind Gewinnaufschläge durch die Werkstätten, die ja für die Fremdleistungen auch die komplette Haftung übernehmen, üblich und zulässig. Das Amtsgericht Landshut hat daher richtigerweise kürzlich bestätigt (Az.: 4 C 49/18), dass der Versicherer, wenn im Kaskoversicherungsvertrag – wie meistens – nur die Vorlage einer Reparaturrechnung vereinbart ist, seine Regulierung nicht davon abhängig machen darf, dass ihm auch Einsichtnahme in die Fremdrechnungen gewährt wird.