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Wie allgemein bekannt, versuchen die Versicherer die privaten Sachverständigen – ebenso wie Rechtsanwälte – aus der Unfallregulierung rauszuhalten. So wird häufig um die sog. Bagatellgrenze gestritten. Entgegen den Behauptungen der Versicherer ist insoweit stets allein die – ex-ante – Sicht des Geschädigten maßgebend. Die Erforderlichkeit und damit die Erstattungsfähigkeit angefallener Gutachterkosten scheidet daher nur dann aus, wenn für den Geschädigten von vorneherein klar war, dass nur ein unterhalb der Bagatellgrenze liegender Schaden eingetreten ist. Das Prognoserisiko trägt dabei nach allgemeinen Grundsätzen der Schädiger bzw. dessen eintrittspflichtige Kfz-Haftpflichtversicherung. Zudem gibt es keine starre Wertgrenze der Schadenhöhe, sondern lediglich einen Richtwertwert, den der Bundesgerichtshof in einem grundlegenden Urteil auf 715,81 € (brutto) bestimmt hat. Gleichwohl besteht auch unabhängig vom Erreichen dieser Schadenhöhe eine Erstattungspflicht der eintrittspflichtigen Kfz-Haftpflichtversicherung jedenfalls dann, wenn aus der Sicht des Geschädigten die Möglichkeit verborgener Schäden bestand. So ist beispielsweise bei Auffahrunfällen praktisch immer die Möglichkeit weiter gehender Verformungen oder Stauchungen gegeben. Für einen technischen Laien ist dann die Beurteilung nicht möglich, ob nur ein Bagatellschaden oder ein weitergehender, nur durch aufwendige Reparaturen zu beseitigender, Schaden vorliegt, so dass er auf Kosten der gegnerischen Versicherung auch einen Sachverständigen beauftragen darf.

Doch selbst wenn dies tatsächlich einmal nicht der Fall sein sollte, steht es dem Geschädigten immer noch frei, über einen Sachverständigen seines Vertrauens eine Kostenprognose erstellen zu lassen, die natürlich auch entsprechend zu vergüten und von der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung zu erstatten ist. Dies hat zuletzt das Amtsgericht Stendal mit beigefügtem Urteil bestätigt. Die Beauftragung eines Sachverständigen ist auch in dieser Konstellation dringend zu empfehlen, denn der Geschädigte darf sich – anders als beim Kostenvoranschlag einer Werkstatt – auf die gutachterlichen Feststellungen verlassen und den Reparaturauftrag entsprechend erteilen. Die gegnerische Versicherung hat dann die Reparaturkosten selbst dann in voller Höhe zu erstatten, wenn sich später herausstellen sollte, dass ein anderer Reparaturweg billiger gewesen wäre oder aber die Reparatur teilweise sogar gar nicht erforderlich gewesen ist (z.B. kompletter Austausch beschädigter Teile). Außerdem stellt ein Sachverständiger auch eine gegebenenfalls eingetretene merkantile Wertminderung fest.