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Typische Antwort der Juristen: Es kommt darauf an! Das Bundesarbeitsgericht hat die Frage zum Beispiel bejaht, wenn die Dienstkleidung der Mitarbeiter besonders auffällig ist und man es ihnen aus diesem Grund nicht zumuten kann, weil diese andernfalls als Werbeträger des Arbeitgebers fungieren würden. Gleiches gilt natürlich, wenn der Arbeitgeber das Tragen der Dienstkleidung außerhalb des Betriebs vollständig untersagt (z.B. aus Hygienegründen) bzw. die Kleidung der Beschäftigten sogar am Arbeitsort aufbewahrt wird. Dann können die Arbeitnehmer das Umkleiden nur innerhalb des Betriebs vornehmen.

Anders sieht die Sache aus, wenn den Mitarbeitern eine unauffällige Arbeitskleidung zur Verfügung gestellt wird wie zB ein schwarzes T-Shirt mit kleinem Firmenlogo oÄ. Dann wird die Umkleidezeit nicht als Arbeitszeit zu qualifizieren sein, da das Umkleiden zu Hause zumutbar und ein Umkleiden im Betrieb lediglich eine zusätzlich freiwillige Möglichkeit ist.

Soweit vorhanden, sollte der Betriebsrat sein Mitbestimmungsrecht in diesem Zusammenhang geltend und zur Verhandlungsbasis mit dem Arbeitgeber machen. Denn wenn eine einvernehmliche, zufriedenstellende Lösung gefunden wird, ist es letztlich egal, ob es sich um ein zwingendes Mitbestimmungsrecht handelt oder eine als freiwillig zu bewertende – aber dennoch rechtswirksame und verbindliche – Betriebsvereinbarung abgeschlossen wurde.

Abschließend sei noch betont, dass nach Auffassung des Bundesarbeitsgerichts in den Fällen, in denen die Umkleidezeit als Arbeitszeit zu bewerten ist, auch die notwendigen Wegzeiten zwischen Umkleideräumlichkeiten und Arbeitsplatz zur Arbeitszeit zählen.